Wirksamkeit & Forschung

Wirksamkeitsforschung in der IPT – ein kontinuierlicher Kreislauf der Entwicklung, seit 1990.

„Wer nicht genau weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“
— Mark Twain

Ohne ein Ziel ist eine Wirksamkeitsprüfung nicht möglich. Paare, die ihre Konflikte unter Kontrolle bekommen wollen, haben einen Anspruch darauf, dass dieses Ziel auch wirklich erreicht wird. So spielt die Wirksamkeitskontrolle eine zentrale Rolle in der IPT. Anfang der 90er Jahre benannte der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie und Senioren das Vorhandensein an evaluativer Forschung über die Wirksamkeit von Beratung für den deutschsprachigen Raum als „spärlich“ und empfahl gründliche Bestandsaufnahmen (BMFuS 1993, S. 156). Rudolf Sanders griff diesen Anstoß von Beginn an auf und beteiligte sich an der beratungsbegleitenden Forschung, die Notker Klann (KBK Kath. Bundeskonferenz für Beratung) zusammen mit Prof. Kurt Hahlweg (TU Braunschweig) ins Leben rief (Klann & Hahlweg 1994) – er konnte über 50 % der Post- und Follow-up-Daten der Gesamtauswertung beisteuern (Klann 2002).

1997 – Die erste große Überprüfung: die Dissertation

Im Rahmen der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen Hagen–Iserlohn wird seit 1991 ein Teil der Beratungsarbeit als IPT von erfahrenen Eheberatern angeboten: im Zeitraum November 1990 bis April 1995 wurden 30 Gruppentherapien in Seminarform durchgeführt, mit einer Stundenzahl von 45–60, entweder als Abendveranstaltung in den Räumen der Stelle oder als Internatsveranstaltung in Bildungshäusern über mehrere Wochenenden oder eine Woche verteilt. Im Sommer 1993 fand ein erster 14-tägiger „Paarkibbuz“ für Fortgeschrittene statt; 1996 das dritte Schwerpunktseminar „Sexualität und Sinnlichkeit“ an drei Wochenenden mit insgesamt 66 Stunden. Parallel zur Gruppentherapie wird, soweit möglich, eine Kinderbetreuung angeboten.

Qualitative Forschung: die offenen Fragen

Am Ende jedes paartherapeutischen Seminars werden die Teilnehmer gebeten, anonym einen Bogen mit folgenden offenen Fragen zu beantworten (ca. 45 Minuten Bearbeitungszeit):

  1. Wie ist es mir persönlich im Seminar ergangen?
  2. Welche Erfahrungen habe ich hinsichtlich meiner Partnerschaft gemacht?
  3. Welche Auswirkungen, vermute ich, hat die Paartherapie bei meinen Kindern oder in meiner Familie?
  4. Welche kritischen Anregungen kann ich der Leitung geben?
  5. Was möchte ich sonst noch sagen?

337 Bögen liegen zur Auswertung vor (mehr als 235 Teilnehmende, da mehrere Klienten mehrfach an einer Gruppe teilnahmen). Die Aussagen wurden von zwei unabhängigen Ratern unter inhaltlichen Oberbegriffen geordnet – eine qualitative Forschung im Rahmen ethnografischer Methoden (Erickson 1986; Smith 1987). Eine Auswahl der Teilnehmeraussagen:

Klärungsorientierte Aussagen – Aufarbeiten alter Verletzungen

Bewältigungsorientierte Aussagen – Lernerfolge und persönliche Wachstumsprozesse

Entwickeln eines lebbaren Ehebildes

Erlernen beziehungsfördernder Verhaltensweisen

a) Wahrnehmen der Eigenverantwortung für die Beziehung

b) Erlernen von Kommunikationsregeln

c) Bewertung von und Umgang mit Chaos, Krisen und Konflikten

Hoffnung auf die Zukunft – Perspektiven für den weiteren Lebensweg als Paar

Methodische Aussagen – die besonderen Heilungsmöglichkeiten der Therapiegruppe

Bedeutung der kreativen Medien und der Körperarbeit

Auswirkungen auf die Kinder der Teilnehmer

Ab 2015: die offene Rückmeldung als gemeinsame Ertragssicherung

Da recht schnell ein großes Vertrauensverhältnis zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Gruppe entsteht, wird seit einigen Jahren die offene Rückmeldung am Ende genutzt. Denn nach Albert Bandura gelten stellvertretende Erfahrungen (auch Beobachtungslernen oder soziales Lernen genannt) als die zweite Quelle der Selbstwirksamkeit im Rahmen einer Gruppe oder sozialen Umgebung (Bandura 1977). Für den Artikel wurden Auszüge aus den Rückmeldungen der Sommerakademie 2025 In Verbundenheit wachsen (11.–20.07.2025, 8 Paare und 14 parallel betreute Kinder) verwendet:

Was hat das Seminar für mich persönlich bedeutet?

Was hat das Seminar für meine Beziehung bedeutet?

Was ich sonst noch sagen will

Lernerfolge durch die Arbeit mit dem ZRM®

Die folgenden Bilder zum persönlichen Ziel-Motto entstanden nach der Arbeit mit dem ZRM® (Zürcher Ressourcenmodell) und der Fragestellung: Was kann ich dazu beitragen, damit ich mich in meiner Beziehung wohlfühle?

Ziel-Motto-Bild: Ich lebe das Lernen, und lerne das Leben
Ziel-Motto-Bild: Durch meine Lust auf Abenteuer entsteht Raum für alles
Ziel-Motto-Bild: Ich bin mein Zentrum, spielerisch in Kontakt und Verbindung gehe
Ziel-Motto-Bild: Durch Freiheit tiefe Nähe

Quantitative Forschung und die Ergebnisse

Überprüfung der Wirksamkeit durch den standardisierten Fragebogen FBK

Der FBK (Klann & Hahlweg 1994b) wurde allen Klienten (201), soweit deren Adresse noch vorhanden war, die in den letzten fünf Jahren (November 1989 – März 1995) an mindestens einer IPT-Gruppe teilgenommen hatten, zugeschickt. 130 Klienten beteiligten sich an der Evaluation durch Rückgabe des Fragebogens – ein Rücklauf von 65 %.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse lassen auf eine hohe subjektive Zufriedenheit der Klienten schließen. Die Gesamtzufriedenheit (zu 80–100 %) liegt bei den Frauen bei 81 %, bei den Männern bei 75 %. Die Erwartungen an die Therapie konnten zu mehr als zwei Dritteln weitgehend bzw. vollkommen erfüllt werden. Die Therapeuten werden in ihrem Verhalten höchst verständnisvoll und hilfreich erlebt. Etwa 80 % hat die Beratung „Mut gemacht“. So viele Klienten haben auch eine größere Einsicht und Verständnis für die eigene Situation gewonnen. Die Hälfte fühlten sich auch von ihrem Partner besser verstanden. Ebenso die Hälfte der Klienten berichteten davon, konkrete Anregungen und Hilfen für ihr Zusammenleben bekommen zu haben. 66 % der Männer fühlen sich besser im Stande, auftretende Schwierigkeiten zu überwinden. Etwa zwei Drittel haben den Eindruck, das therapeutische Geschehen mitgestalten zu können. Für die Hälfte der Klienten hat sich nach der Beratung die Beziehung weitgehend bzw. vollkommen gefestigt.

Das Thema „Trennung oder Zusammenbleiben“ wurde dagegen nur mit 34 % bei den Frauen und mit 37 % bei den Männern als weitgehend oder vollkommen bearbeitet angekreuzt. Ein unspezifischer „Hello-Goodbye-Effekt“ lässt sich damit vermutlich ausschließen. Aus konkreten Rückmeldungen auf eine offene Frage lässt sich vermuten, dass die IPT auch geeignet ist, Paare bei einer Trennung und Scheidung so zu unterstützen, dass diese sich nicht traumatisch auf den einzelnen Partner bzw. auf betroffene Kinder auswirken muss.

Evaluation durch statistische (quantitative) Forschung

Der letzte Teil der Evaluation wurde als statistische Forschung durchgeführt – mit Pilotcharakter, da die Untersuchung lediglich 30 Personen (16 Männer, 14 Frauen) umfasste. Eingesetzt wurden: EPF (Einschätzung von Partnerschaft und Familie, Snyder 1981), PL (Problemliste, Hahlweg 1980), ADS (Depressionsskala, Hautzinger & Bailer 1992), BL (Beschwerdeliste, von Zerssen 1976) sowie ein sozioökonomischer Fragebogen.

Eine 3er-Faktorenanalyse über die Summenwerte der Problemliste, Depressionsskala, Beschwerdeliste und der EPF-Skalen (Sanders 1997, S. 300) ließ sich am besten interpretieren: Auf dem ersten Faktor laden am höchsten die Skalen „Affektive Kommunikation“ (.86), „Globale Zufriedenheit“ (.81), Problemliste/Summenwert (.78), „Gemeinsame Freizeitgestaltung“ (.78), „Problemlösung“ (.63), „Finanzplanung“ (.50), „Sexuelle Zufriedenheit“ (.44) – dieser Faktor beschreibt das Binnenklima einer Beziehung. Auf dem zweiten Faktor laden die „Beschwerdeliste“ (.70) und die Skala „Ehezufriedenheit der Eltern“ (.52) – ein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen der aktuellen körperlichen Befindlichkeit und dem Erleben der Ehe der Eltern. Der dritte Faktor (.85) beschreibt die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

Zum Abschluss der Evaluation wurden die forschungsleitenden Hypothesen überprüft (Sanders 1997, S. 304): Die Alternativhypothese – dass sich bei Inanspruchnahme der IPT die Mittelwertdifferenzen der abhängigen Variablen signifikant ändern – wurde bestätigt. Für Frauen ergaben sich signifikante Änderungen der Variablen Gewichtung und Umgang mit Konflikten (PL) in den Bereichen „Vertrauen“, „Außereheliche Beziehungen“ und „Fehlende Akzeptanz/Unterstützung des Partners“. Für Männer ergaben sich signifikante Änderungen in den Variablen „Globale Zufriedenheit“, „Problemlösung“, „Gemeinsame Freizeitgestaltung“, „Sexuelle Zufriedenheit“ und „Konflikte in der Kindererziehung“.

Überprüfung der Wirksamkeit durch Christine Kröger

Im Rahmen ihrer kumulativen Dissertation hat Dr. Christine Kröger (heute Professorin an der Hochschule Coburg) die Wirksamkeit der IPT (unter der Bezeichnung Partnerschule) untersucht (Kröger 2006, in: R. Sanders, Beziehungsprobleme verstehen – Partnerschaft lernen. Partnerschule als Kompetenztraining in Ehe- und Familienberatung, S. 255–268, Paderborn: Junfermann). Der vollständige Aufsatz steht als Download zur Verfügung: partnerschule.eu – Wirksamkeit (PDF).

Geschlechtsspezifische Intragruppeneffektstärken (IGES) zur Post- und Follow-up-Erhebung; Werte in Klammern = IGES zur Post-Messung für die 32 Paare mit FU-Daten (Kröger & Sanders 2005)
Skala Post (N = 88 Paare) Follow-up (N = 32 Paare)
FrauenMännerFrauenMänner
Problemliste (Summenwert).65.56.70(.59).67(.63)
Globale Zufriedenheit.61.341.00(.84).81(.50)
Affektive Kommunikation.37.30.62(.49).81(.46)
Problemlösung.49.38.57(.21).81(.43)
Gemeinsame Freizeitgestaltung.41.35.63(.66).54(.35)
Finanzplanung.08.04-.11(-.15)-.02(-.04)
Sexuelle Zufriedenheit.21.37.48(.37).34(.43)
Zufriedenheit mit Kindern.03.27.10(.16).32(.22)
Kindererziehung.14.14.21(.24).19(.26)
Allgemeine Depressionsskala.89.51.82(.81).43(.52)
Beschwerdeliste.62.20.61(.57).15(.20)

Betrachtet man die Ergebnisse für die 32 Paare mit Follow-up-Daten, zeichnen sich besondere Zugewinne im halbjährigen Katamnesezeitraum ab. So zeigt sich zur FU-Erhebung für beide Geschlechter eine hohe Effektstärke für die globale Zufriedenheit mit der Partnerschaft (1.00 für die Frauen, .81 für die Männer). Ferner ergeben sich mittlere bis hohe Effekte für den affektiven Austausch, die Problemlösekompetenzen sowie die Freizeitgestaltung. Vor allem die Männer erleben von der Post- zur FU-Erhebung deutliche Steigerungen hinsichtlich der Partnerschaftszufriedenheit, des Austauschs im affektiven Bereich und der Fähigkeit, Konflikte und Differenzen in der Partnerschaft konstruktiv zu lösen.

Die Eingangserhebung belegt nochmals die hohe Belastung von Klienten, die sich an eine Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle wenden – neben Beeinträchtigungen in der Partnerschaft sticht besonders die starke Belastung durch depressive und körperliche Symptome hervor, die charakteristisch für Klienten in der Eheberatung ist. Bemerkenswert ist, dass während des Follow-up-Zeitraums besondere Verbesserungen im Erleben der Partnerschaft erzielt werden, die in ihrem Ausmaß die bisherigen Befunde zur Wirksamkeit von Eheberatung übersteigen. Das heißt, die Partnerschule scheint Veränderungen anzuregen, die sich teilweise erst nach Abschluss der Beratung in vollem Umfang entfalten. Dieser Befund darf nur mit angemessener Vorsicht interpretiert werden, da lediglich von einem Teil der Klienten FU-Daten vorliegen. Dennoch erscheint es plausibel, dass diese besonderen Zugewinne vor allem auf zwei Einflussgrößen zurückzuführen sind: den vergleichsweise hohen Stundenumfang der Partnerschule, und die besonderen Wirkbedingungen im Gruppensetting (vgl. Fiedler 1996).

Wie verändert sich die Lebenszufriedenheit der Paare?

Der Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (FLZ) geht von der Bedeutung der einzelnen Aspekte aus: In der Erstmessung wird danach gefragt, welche Bedeutung z. B. Sexualität für jemanden hat. Um zu prüfen, ob die Partnerschule signifikante Veränderungen hinsichtlich der Lebenszufriedenheit der teilnehmenden Paare anregt, wurden für die Paarmittelwerte der gewichteten Zufriedenheitsscores Prä-Post-Vergleiche mittels t-Tests für abhängige Stichproben berechnet.

Im Einzelnen zeigen sich für die Lebensbereiche statistisch bedeutsame Zugewinne an Zufriedenheit:

wobei die Veränderung in der Partnerschaft und Sexualität am größten ausfällt. Die Partnerschule erzielt damit in all den Lebensbereichen, in denen die Paare signifikant unzufriedener sind als der Bevölkerungsdurchschnitt, positive Veränderungen. Dementsprechend fällt auch die globale Lebenszufriedenheit, operationalisiert durch den FLZ-Summenwert, zu Beratungsende signifikant höher aus als zu Beginn der Beratung (t(43) = -4,55, p ≤ .001) (Sanders 2006, S. 265).

Balkendiagramm: gewichtete Zufriedenheitswerte (FLZ) zu Beratungsbeginn (prä) und -ende (post) für 44 Paare der Partnerschule, im Vergleich zur Normstichprobe, in den Bereichen Beruf, Familie, Partnerschaft, Wohnen, Freunde, Freizeit, Finanzen und Gesundheit
Abbildung 17.3-1: Vergleich der gewichteten Zufriedenheitswerte (Paarmittelwerte) zu Beratungsbeginn (prä) und -ende (post) für 44 Paare, die an der Partnerschule teilgenommen haben; die grauen Säulen visualisieren die Zufriedenheitsscores der Normstichprobe (vgl. Henrich & Herschbach 2000).
Zusammenfassung des Artikels (Kröger 2006):

Bei der Partnerschule handelt es sich um einen beraterischen Ansatz, der umfassend evaluiert worden ist. Insgesamt bestätigen die entsprechenden Forschungsbefunde, dass die Partnerschule eine wirksame Vorgehensweise zur Klärung und Bewältigung von gravierenden Partnerschaftsproblemen ist.

Die kurzfristige Effektivität entspricht der von Eheberatung im Allgemeinen; mittel- bis langfristig scheint die Partnerschule der ausschließlichen Beratung im Einzel- bzw. Paarsetting überlegen zu sein, denn während des Katamnesezeitraums ergeben sich besondere Zugewinne im partnerschaftlichen Miteinander, die in ihrem Ausmaß die bisherigen Befunde zur Wirksamkeit von Eheberatung deutlich übersteigen. Dieser spezifische Effekt der Partnerschule wird zum einen auf die besonderen Wirkbedingungen der Gruppe und zum anderen auf den vergleichsweise hohen Stundenumfang zurückgeführt.

Ergänzend werden empirische Ergebnisse vorgestellt, die aufzeigen, dass sich mit der Teilnahme an der Partnerschule bei den Klienten eine signifikante Zunahme an Lebenszufriedenheit verbindet.

Weitere prospektive und qualitative Studien folgten, unter anderem in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kurt Hahlweg und Prof. Dr. Christine Kröger, die für die Auswertung der Daten und deren Publikation gesorgt haben. Andere Kolleginnen und Kollegen haben durch eigene Forschung zur Wirksamkeit der IPT ihre Masterarbeiten geschrieben. Die vollständigen Quellenangaben finden sich im Literaturverzeichnis.