Wirksamkeit & Forschung
Wirksamkeitsforschung in der IPT – ein kontinuierlicher Kreislauf der Entwicklung, seit 1990.
„Wer nicht genau weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“
Ohne ein Ziel ist eine Wirksamkeitsprüfung nicht möglich. Paare, die ihre Konflikte unter Kontrolle bekommen wollen, haben einen Anspruch darauf, dass dieses Ziel auch wirklich erreicht wird. So spielt die Wirksamkeitskontrolle eine zentrale Rolle in der IPT. Anfang der 90er Jahre benannte der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie und Senioren das Vorhandensein an evaluativer Forschung über die Wirksamkeit von Beratung für den deutschsprachigen Raum als „spärlich“ und empfahl gründliche Bestandsaufnahmen (BMFuS 1993, S. 156). Rudolf Sanders griff diesen Anstoß von Beginn an auf und beteiligte sich an der beratungsbegleitenden Forschung, die Notker Klann (KBK Kath. Bundeskonferenz für Beratung) zusammen mit Prof. Kurt Hahlweg (TU Braunschweig) ins Leben rief (Klann & Hahlweg 1994) – er konnte über 50 % der Post- und Follow-up-Daten der Gesamtauswertung beisteuern (Klann 2002).
1997 – Die erste große Überprüfung: die Dissertation
Im Rahmen der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen Hagen–Iserlohn wird seit 1991 ein Teil der Beratungsarbeit als IPT von erfahrenen Eheberatern angeboten: im Zeitraum November 1990 bis April 1995 wurden 30 Gruppentherapien in Seminarform durchgeführt, mit einer Stundenzahl von 45–60, entweder als Abendveranstaltung in den Räumen der Stelle oder als Internatsveranstaltung in Bildungshäusern über mehrere Wochenenden oder eine Woche verteilt. Im Sommer 1993 fand ein erster 14-tägiger „Paarkibbuz“ für Fortgeschrittene statt; 1996 das dritte Schwerpunktseminar „Sexualität und Sinnlichkeit“ an drei Wochenenden mit insgesamt 66 Stunden. Parallel zur Gruppentherapie wird, soweit möglich, eine Kinderbetreuung angeboten.
Qualitative Forschung: die offenen Fragen
Am Ende jedes paartherapeutischen Seminars werden die Teilnehmer gebeten, anonym einen Bogen mit folgenden offenen Fragen zu beantworten (ca. 45 Minuten Bearbeitungszeit):
- Wie ist es mir persönlich im Seminar ergangen?
- Welche Erfahrungen habe ich hinsichtlich meiner Partnerschaft gemacht?
- Welche Auswirkungen, vermute ich, hat die Paartherapie bei meinen Kindern oder in meiner Familie?
- Welche kritischen Anregungen kann ich der Leitung geben?
- Was möchte ich sonst noch sagen?
337 Bögen liegen zur Auswertung vor (mehr als 235 Teilnehmende, da mehrere Klienten mehrfach an einer Gruppe teilnahmen). Die Aussagen wurden von zwei unabhängigen Ratern unter inhaltlichen Oberbegriffen geordnet – eine qualitative Forschung im Rahmen ethnografischer Methoden (Erickson 1986; Smith 1987). Eine Auswahl der Teilnehmeraussagen:
Klärungsorientierte Aussagen – Aufarbeiten alter Verletzungen
- „Mir sind die Hinderungen meiner Liebesfähigkeit klar geworden, durch die Konfrontation mit den Problemen anderer. Alte Verletzungen konnte ich noch einmal durchleben und damit abschließen.“
- „Ich kann jetzt die Ursachen für meine Probleme in der Partnerbeziehung, die in meiner Kindheit liegen, sowohl vom Verstand als auch vom Gefühl (Körpererfahrung) klarer begreifen.“
Bewältigungsorientierte Aussagen – Lernerfolge und persönliche Wachstumsprozesse
- „Durch die Gruppe habe ich gelernt, auf andere Menschen zuzugehen, mich in einem größeren Kreis zu äußern, von meinen Ängsten zu erzählen. Mir gefielen besonders die praktischen Übungen, z. B. kreatives Formen oder tatsächlich auf ‚fremde‘ Menschen zuzugehen. Ich bin sicher, dass unsere Ehe ohne diese Therapie in den Alltagsproblemen steckengeblieben wäre.“
- „Ich kann meinem Partner anders gegenübertreten. Ich bin nicht mehr verletzt, kann Kritik abwägen, bin aber – so empfindet mich mein Partner öfter – sehr aggressiv und lasse viel aus mir raus, was für ihn nicht angenehm ist. Aber es gibt viel weniger Leiden aus uns selbst, glücklichere Zeiten. Und die ‚Tiefs‘ sind nicht mehr ganz so tief.“
Entwickeln eines lebbaren Ehebildes
- „An den drei Wochenenden durften wir nur für uns da sein! Abseits von Beruf, Haushalt, Omas …, abseits auch von einem traditionell geprägten Bild von Ehe, das unsere Liebe zu ersticken drohte! Ohne diesen Kurs wäre unsere Ehe eine reine Versorgungsgemeinschaft geblieben. Wir haben gelernt, für uns selbst und unsere Gefühle Verantwortung zu übernehmen. Wir beginnen, uns selbst und den Partner so anzunehmen und zu lieben (!), wie er ist und wie er geworden ist.“
- „Ich habe gelernt, vorhandene Angst, Sorgen und Leid nicht mehr als Scheidungsgrund zu sehen, sondern sie neu einzuordnen zu lernen und sie anders zu bewerten.“
Erlernen beziehungsfördernder Verhaltensweisen
a) Wahrnehmen der Eigenverantwortung für die Beziehung
- „Das ist für mich das Wichtigste: Nicht alles Glück ausschließlich vom Partner zu erwarten, sondern zunächst zu mir selbst gut zu sein.“
- „Ich hatte die schmerzhafte Erkenntnis, dass ich zunächst einmal loslassen muss, um überhaupt wirklich mir und ihr zusammenkommen zu können. Für mich heißt das, mir erst einmal wieder meinen eigenen Raum zu entdecken, ihn zu gestalten und zu leben.“
b) Erlernen von Kommunikationsregeln
- „Ich kann meinem Partner von meinen Gedanken erzählen, und zwar sofort. Ich verschiebe das Erzählen nicht auf später … wo ich es dann meistens vergesse oder keine Lust mehr habe. Ich achte bewusster darauf, den Partner zu Ende reden zu lassen und wirklich das zu erfassen, was er sagt. Ich versuche wirklich zuzuhören.“
- „Ich habe begonnen, meine Wünsche und Forderungen meiner Partnerin mitzuteilen. Auch wenn sie nicht alle erfüllt werden können, so tut es doch gut, die Wünsche überhaupt zu artikulieren.“
c) Bewertung von und Umgang mit Chaos, Krisen und Konflikten
- „Zu wissen, es gibt immer wieder Konflikte und Ärger – doch die Beziehung geht weiter. Das Wissen, dass die Liebe daran wachsen kann.“
- „Wir haben gelernt, vor Konflikten und Schwierigkeiten nicht wegzulaufen, sondern sie zu meistern und so wieder aufeinander zuzugehen. Unser Gefühlsleben ist dadurch angeregt worden, und wir können wieder zärtlich sein, wenn wir an uns selbst arbeiten.“
Hoffnung auf die Zukunft – Perspektiven für den weiteren Lebensweg als Paar
- „Wir haben jetzt gute Voraussetzungen, uns als Paar neu zu erleben, aus alten Verhaltensmustern auszubrechen und damit eine neue Basis für unsere Beziehung zu finden. Wir haben größere Klarheit über unsere Probleme und damit auch Perspektiven, sie zu lösen.“
- „Ich habe das erste Mal in unserer 15-jährigen Ehe unser gemeinsames Leben als eine Geschichte gesehen, nicht als eine Kurzausgabe vom Frühstück bis zum Abendbrot. Habe ich früher gefragt: ‚Warum um Gottes Willen bist du so?‘, frage ich heute: ‚Wer hat dich so gemacht, und wie schaffst du es, dich zu ändern?‘ (das Gleiche gilt für mich). Wir werden ab morgen anfangen, unsere schwarz-weiß-Ehe bunt auszumalen.“
Methodische Aussagen – die besonderen Heilungsmöglichkeiten der Therapiegruppe
- „Da ich mich im Kreis von Gleichgesinnten befand, bei denen ich auch Parallelen zu meinen Ängsten und Gefühlen fand, hatte ich Mut, auch über meine Probleme zu reden, statt sie zu verdrängen.“
- „Es war schön zu erleben, wie die Gruppe mir ‚Schutz‘-Raum gegeben hat, um meine Gefühle zu entdecken, ja neu gebären zu können – ohne Angst, ohne Scham. Ich habe gefühlt, welche Energie und Kraft in mir stecken, wenn ich sie erspüren und freisetzen kann. Ich habe aber auch gefühlt, wo noch Mauern sind und Ängste und Unsicherheiten.“
Bedeutung der kreativen Medien und der Körperarbeit
- „Erst bekam ich einen Schreck, als ich hörte, dass wir mit Ton arbeiten würden, denn im Kunstunterricht war ich nicht gut. Das Ergebnis hat mich dann umgehauen, was ich so mit meinen Händen gestalten kann und wie wir als Paar in Ton anzusehen sind.“
- „Durch die Bewegungsübungen habe ich gespürt, wieviel Lebendigkeit in mir vergraben ist. Ich glaube, diese brauche ich dringend in meiner Ehe.“
Auswirkungen auf die Kinder der Teilnehmer
- „Es ist spürbar entspannter und harmonischer geworden. Ich übertrage die Wut auf den Partner nicht mehr auf die Kinder, da ich mutiger und offener geworden bin, mich abzugrenzen, wenn es über meine Gefühle geht, und für mein Glück besser sorgen kann. Ich habe die Verantwortung für mich übernommen und kann so dem anderen auch mehr (ihren) Freiraum lassen.“
- „Durch die Paargespräche und die Gruppenarbeit konnten wir uns gegenseitig öffnen und Nähe wieder zulassen. Dies ist für uns als Familie wohltuend. Als wir uns in der Küche ‚einfach mal wieder so‘ umarmten, fiel uns auf, dass Carolas (fünfjähriges Kind des Paares) Gesichtszüge sich entspannten und sie sich darüber freute.“
Ab 2015: die offene Rückmeldung als gemeinsame Ertragssicherung
Da recht schnell ein großes Vertrauensverhältnis zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Gruppe entsteht, wird seit einigen Jahren die offene Rückmeldung am Ende genutzt. Denn nach Albert Bandura gelten stellvertretende Erfahrungen (auch Beobachtungslernen oder soziales Lernen genannt) als die zweite Quelle der Selbstwirksamkeit im Rahmen einer Gruppe oder sozialen Umgebung (Bandura 1977). Für den Artikel wurden Auszüge aus den Rückmeldungen der Sommerakademie 2025 In Verbundenheit wachsen (11.–20.07.2025, 8 Paare und 14 parallel betreute Kinder) verwendet:
Was hat das Seminar für mich persönlich bedeutet?
- „Ein paar Schritte weiter in meinem eigenen Stand, ein geklärtes Herz, einen klaren Verstand und der Seelenpflege. Dabei fand ich besonders schön den Aspekt der Gewissensbildung, in dem es darum ging, die Bedeutung und die Kraft meines eigenen Willens für das Gelingen meiner Beziehung zu nutzen.“
- „Das Seminar war für mich ein ‚Auf‘ und ‚Ab‘ beziehungsweise ein von ‚Tief‘ zu ‚Tief‘, und dann tief zu mir und in die ‚Höhe‘. Zusammenfassend wurde es mir bewusst, dass ich mich nicht ‚schön‘ fand und deshalb lange am Rand einer Depression durchs Leben gewankt bin.“
- „Ich fühle mich verstanden. Ich fühle mich gestärkt. Ich fühle Klarheit.“
- „Inneres Wachstum; ich habe mich ent-wickelt; Selbstvertrauen gewonnen; meine Männlichkeit gezeigt und mich diese endlich annehmen lassen; mein Licht zum Vorschein gebracht.“
Was hat das Seminar für meine Beziehung bedeutet?
- „Ich mag und schätze meine Frau wieder ein Stück mehr, wieder mehr Nähe gewonnen, aber auch ein Stück Distanz geschaffen. Das Band der Ehe wieder ein Stück definiert, um im Dschungel unserer Ehe weiterzufahren.“
- „Ehrlichkeit und Offenheit als Basis. Ich habe wieder das Bewusstsein dafür gefunden, welch großen gemeinsamen Erfahrungsschatz wir gemeinsam teilen. Intensiver Blickkontakt und bewusstes Berühren sind enorm wichtig!“
- „Durch das SRG (Spiegelnde-Resonanz-Gespräch) werden Missverständnisse geklärt, es hilft, meine Partnerin zu verstehen, und es entsteht eine tiefe Verbundenheit.“
- „Ich konnte die Stärken und Schönheit meines Mannes sehen. Das berührt mich sehr. Ich habe ihn als gelöster und in sich ruhend erlebt. Gemeinsam hatten wir Freude über die neue Autonomie unserer dreijährigen Tochter und zu sehen, wie gerne sie in der Kindergruppe ist.“
Was ich sonst noch sagen will
- „Zusätzlich möchte ich betonen, wie dankbar ich für jede einzelne Person in der Gruppe bin. Jeder von euch ist einzigartig und in meinen Augen ein Superstar. […] Ich freue mich auf unsere zukünftigen Begegnungen und darauf, das Gelernte weiter zu vertiefen.“
- „Das Seminar hat mir Liebe zu meiner Familie gezeigt. Von Herzen ein tiefes Dankeschön! Ich fühle mich wie eine Pfingstrose: sie blüht bereits, und es haben sich weitere Blütenblätter geöffnet.“
- „Ich bin dankbar für die Methodik, das Werkzeug, so langsam mache ich mir das zu eigen. Ich fühle mich weniger einsam. Ich bin dankbar für die Unterstützung von euch.“
Lernerfolge durch die Arbeit mit dem ZRM®
Die folgenden Bilder zum persönlichen Ziel-Motto entstanden nach der Arbeit mit dem ZRM® (Zürcher Ressourcenmodell) und der Fragestellung: Was kann ich dazu beitragen, damit ich mich in meiner Beziehung wohlfühle?




Quantitative Forschung und die Ergebnisse
Überprüfung der Wirksamkeit durch den standardisierten Fragebogen FBK
Der FBK (Klann & Hahlweg 1994b) wurde allen Klienten (201), soweit deren Adresse noch vorhanden war, die in den letzten fünf Jahren (November 1989 – März 1995) an mindestens einer IPT-Gruppe teilgenommen hatten, zugeschickt. 130 Klienten beteiligten sich an der Evaluation durch Rückgabe des Fragebogens – ein Rücklauf von 65 %.
Zusammenfassung: Die Ergebnisse lassen auf eine hohe subjektive Zufriedenheit der Klienten schließen. Die Gesamtzufriedenheit (zu 80–100 %) liegt bei den Frauen bei 81 %, bei den Männern bei 75 %. Die Erwartungen an die Therapie konnten zu mehr als zwei Dritteln weitgehend bzw. vollkommen erfüllt werden. Die Therapeuten werden in ihrem Verhalten höchst verständnisvoll und hilfreich erlebt. Etwa 80 % hat die Beratung „Mut gemacht“. So viele Klienten haben auch eine größere Einsicht und Verständnis für die eigene Situation gewonnen. Die Hälfte fühlten sich auch von ihrem Partner besser verstanden. Ebenso die Hälfte der Klienten berichteten davon, konkrete Anregungen und Hilfen für ihr Zusammenleben bekommen zu haben. 66 % der Männer fühlen sich besser im Stande, auftretende Schwierigkeiten zu überwinden. Etwa zwei Drittel haben den Eindruck, das therapeutische Geschehen mitgestalten zu können. Für die Hälfte der Klienten hat sich nach der Beratung die Beziehung weitgehend bzw. vollkommen gefestigt.
Das Thema „Trennung oder Zusammenbleiben“ wurde dagegen nur mit 34 % bei den Frauen und mit 37 % bei den Männern als weitgehend oder vollkommen bearbeitet angekreuzt. Ein unspezifischer „Hello-Goodbye-Effekt“ lässt sich damit vermutlich ausschließen. Aus konkreten Rückmeldungen auf eine offene Frage lässt sich vermuten, dass die IPT auch geeignet ist, Paare bei einer Trennung und Scheidung so zu unterstützen, dass diese sich nicht traumatisch auf den einzelnen Partner bzw. auf betroffene Kinder auswirken muss.
Evaluation durch statistische (quantitative) Forschung
Der letzte Teil der Evaluation wurde als statistische Forschung durchgeführt – mit Pilotcharakter, da die Untersuchung lediglich 30 Personen (16 Männer, 14 Frauen) umfasste. Eingesetzt wurden: EPF (Einschätzung von Partnerschaft und Familie, Snyder 1981), PL (Problemliste, Hahlweg 1980), ADS (Depressionsskala, Hautzinger & Bailer 1992), BL (Beschwerdeliste, von Zerssen 1976) sowie ein sozioökonomischer Fragebogen.
Eine 3er-Faktorenanalyse über die Summenwerte der Problemliste, Depressionsskala, Beschwerdeliste und der EPF-Skalen (Sanders 1997, S. 300) ließ sich am besten interpretieren: Auf dem ersten Faktor laden am höchsten die Skalen „Affektive Kommunikation“ (.86), „Globale Zufriedenheit“ (.81), Problemliste/Summenwert (.78), „Gemeinsame Freizeitgestaltung“ (.78), „Problemlösung“ (.63), „Finanzplanung“ (.50), „Sexuelle Zufriedenheit“ (.44) – dieser Faktor beschreibt das Binnenklima einer Beziehung. Auf dem zweiten Faktor laden die „Beschwerdeliste“ (.70) und die Skala „Ehezufriedenheit der Eltern“ (.52) – ein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen der aktuellen körperlichen Befindlichkeit und dem Erleben der Ehe der Eltern. Der dritte Faktor (.85) beschreibt die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
Zum Abschluss der Evaluation wurden die forschungsleitenden Hypothesen überprüft (Sanders 1997, S. 304): Die Alternativhypothese – dass sich bei Inanspruchnahme der IPT die Mittelwertdifferenzen der abhängigen Variablen signifikant ändern – wurde bestätigt. Für Frauen ergaben sich signifikante Änderungen der Variablen Gewichtung und Umgang mit Konflikten (PL) in den Bereichen „Vertrauen“, „Außereheliche Beziehungen“ und „Fehlende Akzeptanz/Unterstützung des Partners“. Für Männer ergaben sich signifikante Änderungen in den Variablen „Globale Zufriedenheit“, „Problemlösung“, „Gemeinsame Freizeitgestaltung“, „Sexuelle Zufriedenheit“ und „Konflikte in der Kindererziehung“.
Überprüfung der Wirksamkeit durch Christine Kröger
Im Rahmen ihrer kumulativen Dissertation hat Dr. Christine Kröger (heute Professorin an der Hochschule Coburg) die Wirksamkeit der IPT (unter der Bezeichnung Partnerschule) untersucht (Kröger 2006, in: R. Sanders, Beziehungsprobleme verstehen – Partnerschaft lernen. Partnerschule als Kompetenztraining in Ehe- und Familienberatung, S. 255–268, Paderborn: Junfermann). Der vollständige Aufsatz steht als Download zur Verfügung: partnerschule.eu – Wirksamkeit (PDF).
| Skala | Post (N = 88 Paare) | Follow-up (N = 32 Paare) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Frauen | Männer | Frauen | Männer | |||
| Problemliste (Summenwert) | .65 | .56 | .70 | (.59) | .67 | (.63) |
| Globale Zufriedenheit | .61 | .34 | 1.00 | (.84) | .81 | (.50) |
| Affektive Kommunikation | .37 | .30 | .62 | (.49) | .81 | (.46) |
| Problemlösung | .49 | .38 | .57 | (.21) | .81 | (.43) |
| Gemeinsame Freizeitgestaltung | .41 | .35 | .63 | (.66) | .54 | (.35) |
| Finanzplanung | .08 | .04 | -.11 | (-.15) | -.02 | (-.04) |
| Sexuelle Zufriedenheit | .21 | .37 | .48 | (.37) | .34 | (.43) |
| Zufriedenheit mit Kindern | .03 | .27 | .10 | (.16) | .32 | (.22) |
| Kindererziehung | .14 | .14 | .21 | (.24) | .19 | (.26) |
| Allgemeine Depressionsskala | .89 | .51 | .82 | (.81) | .43 | (.52) |
| Beschwerdeliste | .62 | .20 | .61 | (.57) | .15 | (.20) |
Betrachtet man die Ergebnisse für die 32 Paare mit Follow-up-Daten, zeichnen sich besondere Zugewinne im halbjährigen Katamnesezeitraum ab. So zeigt sich zur FU-Erhebung für beide Geschlechter eine hohe Effektstärke für die globale Zufriedenheit mit der Partnerschaft (1.00 für die Frauen, .81 für die Männer). Ferner ergeben sich mittlere bis hohe Effekte für den affektiven Austausch, die Problemlösekompetenzen sowie die Freizeitgestaltung. Vor allem die Männer erleben von der Post- zur FU-Erhebung deutliche Steigerungen hinsichtlich der Partnerschaftszufriedenheit, des Austauschs im affektiven Bereich und der Fähigkeit, Konflikte und Differenzen in der Partnerschaft konstruktiv zu lösen.
Die Eingangserhebung belegt nochmals die hohe Belastung von Klienten, die sich an eine Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle wenden – neben Beeinträchtigungen in der Partnerschaft sticht besonders die starke Belastung durch depressive und körperliche Symptome hervor, die charakteristisch für Klienten in der Eheberatung ist. Bemerkenswert ist, dass während des Follow-up-Zeitraums besondere Verbesserungen im Erleben der Partnerschaft erzielt werden, die in ihrem Ausmaß die bisherigen Befunde zur Wirksamkeit von Eheberatung übersteigen. Das heißt, die Partnerschule scheint Veränderungen anzuregen, die sich teilweise erst nach Abschluss der Beratung in vollem Umfang entfalten. Dieser Befund darf nur mit angemessener Vorsicht interpretiert werden, da lediglich von einem Teil der Klienten FU-Daten vorliegen. Dennoch erscheint es plausibel, dass diese besonderen Zugewinne vor allem auf zwei Einflussgrößen zurückzuführen sind: den vergleichsweise hohen Stundenumfang der Partnerschule, und die besonderen Wirkbedingungen im Gruppensetting (vgl. Fiedler 1996).
Wie verändert sich die Lebenszufriedenheit der Paare?
Der Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (FLZ) geht von der Bedeutung der einzelnen Aspekte aus: In der Erstmessung wird danach gefragt, welche Bedeutung z. B. Sexualität für jemanden hat. Um zu prüfen, ob die Partnerschule signifikante Veränderungen hinsichtlich der Lebenszufriedenheit der teilnehmenden Paare anregt, wurden für die Paarmittelwerte der gewichteten Zufriedenheitsscores Prä-Post-Vergleiche mittels t-Tests für abhängige Stichproben berechnet.
Im Einzelnen zeigen sich für die Lebensbereiche statistisch bedeutsame Zugewinne an Zufriedenheit:
- Freunde/Bekannte (t(43) = -2,19, p ≤ .05)
- Freizeitgestaltung/Hobbies (t(43) = -2,70, p ≤ .01)
- Gesundheit (t(43) = -2,05, p ≤ .05)
- Familienleben/Kinder (t(43) = -2,37, p ≤ .05)
- Partnerschaft/Sexualität (t(43) = -3,43, p ≤ .001)
wobei die Veränderung in der Partnerschaft und Sexualität am größten ausfällt. Die Partnerschule erzielt damit in all den Lebensbereichen, in denen die Paare signifikant unzufriedener sind als der Bevölkerungsdurchschnitt, positive Veränderungen. Dementsprechend fällt auch die globale Lebenszufriedenheit, operationalisiert durch den FLZ-Summenwert, zu Beratungsende signifikant höher aus als zu Beginn der Beratung (t(43) = -4,55, p ≤ .001) (Sanders 2006, S. 265).
Bei der Partnerschule handelt es sich um einen beraterischen Ansatz, der umfassend evaluiert worden ist. Insgesamt bestätigen die entsprechenden Forschungsbefunde, dass die Partnerschule eine wirksame Vorgehensweise zur Klärung und Bewältigung von gravierenden Partnerschaftsproblemen ist.
Die kurzfristige Effektivität entspricht der von Eheberatung im Allgemeinen; mittel- bis langfristig scheint die Partnerschule der ausschließlichen Beratung im Einzel- bzw. Paarsetting überlegen zu sein, denn während des Katamnesezeitraums ergeben sich besondere Zugewinne im partnerschaftlichen Miteinander, die in ihrem Ausmaß die bisherigen Befunde zur Wirksamkeit von Eheberatung deutlich übersteigen. Dieser spezifische Effekt der Partnerschule wird zum einen auf die besonderen Wirkbedingungen der Gruppe und zum anderen auf den vergleichsweise hohen Stundenumfang zurückgeführt.
Ergänzend werden empirische Ergebnisse vorgestellt, die aufzeigen, dass sich mit der Teilnahme an der Partnerschule bei den Klienten eine signifikante Zunahme an Lebenszufriedenheit verbindet.
Weitere prospektive und qualitative Studien folgten, unter anderem in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kurt Hahlweg und Prof. Dr. Christine Kröger, die für die Auswertung der Daten und deren Publikation gesorgt haben. Andere Kolleginnen und Kollegen haben durch eigene Forschung zur Wirksamkeit der IPT ihre Masterarbeiten geschrieben. Die vollständigen Quellenangaben finden sich im Literaturverzeichnis.