Für wen ist die IPT?
Paare auf der Suche nach dem Beziehungsglück.
Das Miteinander in Partnerschaft, Ehe und Familie zeichnet sich dadurch aus, dass es immer wieder auch Herausforderungen gibt. Paare, die Hilfe in einer Paartherapie suchen, haben ein Ziel vor Augen: Im Kampf- oder Fluchtmodus gefangen, spüren sie, dass sie kaum Zugang zu ihrer bewussten Steuerung haben.
Sie suchen nach jemand Kompetenten, der in diesem Chaos für sie Führung übernimmt. Wie ein Arzt im medizinischen Fachmann ist, muss dieser eine tiefenpsychologische Vorstellung von den Ursachen der Konflikte haben, pädagogische und soziologische Wege aufzeigen können, wie das Paar wieder Kontrolle über die Konflikte gewinnt. Und nicht nur das: Er ist in der Lage, Hoffnung zu induzieren, indem er darauf hinweist, die Sicherheit des Einzelnen in der Verbundenheit zu stärken, damit der Einzelne darin aufblühen kann.
Flourishing („Aufblühen“) als zentrales therapeutisches Ziel bedeutet nicht nur die Reduktion von Leiden, sondern die aktive Förderung von Lebensfreude und Selbstvertrauen (Freund & Lehr 2020). Immer mehr werden die Einzelnen im Miteinander befähigt, ihr Potenzial zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen.
Welche Paare profitieren von der IPT?
Das sind die Paare, die für sich folgende Fragen positiv beantworten können:
- Fühle ich mich hier so, wie ich bin, angenommen oder eher bewertet?
- Hat die Therapeutin eine plausible Idee davon, wo die Ursachen für unsere Konflikte liegen?
- Kann sie uns Hoffnung vermitteln, dass sie mit dem von ihr vorgeschlagenen therapeutischen Weg in der Lage ist, dass wir Kontrolle über die Konflikte gewinnen?
- Machen wir in der ersten Sitzung die Erfahrung, dass wir nicht nur ein Problem sind, sondern dass wir zusammen auch eine Menge können und schon geschafft haben?
- Können wir uns auf die Therapeutin verlassen, dass sie in dem Therapieprozess Führung übernimmt? Dass sie weiß, wo sie mit uns hin will?
- Und ganz wichtig: Sind wir ihr sympathisch?
Wenn Paare diese Fragen mit Ja beantworten können und sie sich für eine intime, exklusive Beziehung auf Dauer entschieden haben, dann sind sie in der IPT richtig. Natürlich sind auch gleichgeschlechtliche Paare gemeint!
Was Paare ins Erstgespräch mitbringen
„Wir haben uns nichts mehr zu sagen!“, „Wir haben uns auseinandergelebt!“, „Wir stehen kurz vor der Trennung und die Partnerschule ist unsere letzte Möglichkeit, unsere Ehe zu retten!“ – so beschreiben Paare oft, wie sie zu dieser Quintessenz gekommen sind:
- „Ich kann machen, was ich will, meine Partnerin ist nie zufrieden.“
- „Ich finde es total wichtig, gewissenhaft seine Pflicht zu erfüllen. Wie soll denn sonst eine Partnerschaft gelingen?“
- „Ich kann es einfach nicht aushalten, wenn ich nach Hause komme und die Wohnung nicht aufgeräumt ist. Ich arbeite schließlich auch den ganzen Tag.“
- „Immer wieder kommt es zum Streit, weil z. B. meine Frau die Spülmaschine nicht richtig einräumt.“
Paare berichten von häufigen negativen Emotionen und emotionaler Labilität. Sie haben Probleme damit, ihre Emotionen zu regulieren. Das drückt sich in der Impulsivität ihres Verhaltens aus. Sie können sich schwer in den Partner oder die Partnerin einfühlen und erleben sich emotional distanziert. Manche leiden darunter, dass der andere perfektionistisch und rigide ist oder zu exzentrischen und ungewöhnlichen Überzeugungen neigt. Vor allem wird deutlich, dass sie über ein geringes Selbstwertgefühl verfügen. Nicht wenige machen den Anderen für das eigene Gefühlschaos verantwortlich – meistens ich-synton, mit der Konsequenz, dass derjenige die Idee hat, wenn der Therapeut den Anderen nur ändern würde, würde sich schon alles bessern.
Mehr zum wissenschaftlichen Hintergrund dieser Beobachtungen – dem Wechsel von der klassifizierten Störung des Einzelnen (ICD-10) hin zur Störung des Miteinanders (ICD-11) – findet sich auf der Seite Die Methode.
Was zeichnet eine stabile, was eine instabile Persönlichkeit aus?
Für eine Beziehung auf Augenhöhe brauchen Menschen ein hinreichend stabiles Selbst, das sich durch eine sozialbezogene Autonomie auszeichnet (Fiedler 2007, S. 399). Diese ermöglicht es, Realitäten eigenständig wahrzunehmen, persönliche Urteile zu entwickeln und zu wissen, woran man glaubt. Man kann klar mitteilen, was man erlebt und fühlt, und für seine stabilen Grundüberzeugungen nötigenfalls auch streiten. Im Miteinander empfindet man Wertschätzung, Freude und Dankbarkeit und kann das auch benennen und äußern.
In einer exklusiven, intimen Partnerschaft kann ein Mensch mit stabilem Selbst klar zwischen sich und seinen eigenen Bedürfnissen und dem Anderen und dessen Bedürfnissen unterscheiden. Die Bedürfnisse und Perspektiven des Anderen kann er als autonom und als zum Anderen gehörig würdigen; dessen persönliche Entwicklung erfüllt ihn mit Freude. Eine Liebesbeziehung, die auf solchen Grundsätzen beruht, gibt beiden die Freiheit, den ganz eigenen Entwicklungsweg zu gehen.
Ein instabiles Selbst hingegen ist ein erhebliches Hindernis für eine Beziehung auf Augenhöhe. Laut Bandura (1977) mangelt es Menschen mit einem instabilen Selbst an relevanten Erfahrungen der Selbstwirksamkeit hinsichtlich der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse. Wenig fähig, den eigenen Selbstwert zu spüren, haben sie kaum Kontakt zu eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Auch die Fähigkeit zur Selbstberuhigung ist nur gering ausgeprägt, es mangelt ihnen an Kontrolle über eigene Impulse und Emotionen. Außerdem fällt es ihnen schwer, sich empathisch in den Anderen einzufühlen, und es gelingt ihnen kaum, eigene Wünsche für ein gemeinsames Größeres zurückzustellen (Fiedler 2007, S. 300).
In einer Beziehung prägen diese Eigenschaften den Umgang miteinander und damit das emotionale Binnenklima. Sie werden zum zentralen Auslöser für Unzufriedenheit und weitreichendere Beziehungsstörungen. Ein Mensch mit einem instabilen Selbst ist kaum in der Lage, die Verantwortung für die eigene Unzufriedenheit oder das eigene Glück zu übernehmen. Stattdessen wird der Partner dafür verantwortlich gemacht. Hier gilt es, Ursachen für die mangelnde Kompetenz zu dechiffrieren und gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten durch Erfahrungen der Selbstwirksamkeit zu ermöglichen.
Folgen von Trennung und Scheidung
Mehr oder weniger leiden alle Paare unter dem Schmerz, den das Ende einer Liebesbeziehung verursacht. Nicht wenige geben sich der Illusion hin, die Trennung „in gutem Einvernehmen“ zu schaffen. Forschungsergebnisse zu Auswirkungen von Trennung und Scheidung, sowohl für die Betroffenen als auch für deren Kinder, sprechen zum Thema „einvernehmliche Trennung“ eine andere Sprache:
„Eine feste, stabile und glückliche Partnerschaft erweist sich als einer der besten Prädikatoren für Lebenszufriedenheit, Glück, Wohlbefinden und Gesundheit. Umgekehrt ist eine unglückliche Paarbeziehung ein relevanter Risikofaktor für psychische Störungen (Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch).“ (Bodenmann 2016, S. 23)
„Die Scheidung gehört neben chronischen destruktiven Partnerschaftskonflikten zu einem der bedeutendsten Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen beim Kind und Jugendlichen und stellt eine lebenslange Vulnerabilisierung dar.“ (Bodenmann 2016, S. 167)
„Chronische hochstrittige Elternkonflikte gehören zu den bedeutsamsten Risikofaktoren für die psychische Entwicklung von Kindern nach Trennung und Scheidung. […] Kinder in chronischen Konfliktsystemen organisieren ihre Entwicklung teilweise um die Bewältigung von Unsicherheit und Loyalitätskonflikten herum.“ (González 2026a)
Ausgehend von der Bindungstheorie wird argumentiert, dass chronische interparentale Konflikte zentrale Sicherheits- und Regulationssysteme des Kindes bedrohen. Befunde der Stress-, Entwicklungs- und Neurobiologieforschung zeigen, wie wiederholte Bindungsbedrohung langfristige Anpassungen von Stressregulation, Bedrohungsverarbeitung und sozialer Informationsverarbeitung begünstigen kann.
Nicht unerheblich sind auch die Kosten in finanzieller Hinsicht, für die Betroffenen selbst wie für die Solidargemeinschaft. Bei einem Drittel der Scheidungspartner wird einer von beiden zum Sozialhilfeempfänger, das Armutsrisiko für Frauen verdoppelt sich, die Betreuungsqualität der Kinder leidet, und Geschiedene nehmen das Gesundheitswesen deutlich stärker in Anspruch (Borgloh et al. 2003; Witt 2020; González 2026b).
Und das Leben in einer Patchworkfamilie ist gerade nicht auch ein Zuckerschlecken. Nach anfänglicher Euphorie kommt nicht selten die Desillusion. Das Mantra der Lösungsorientierung im Rahmen einer Familienmediation ist vielleicht für die Erwachsenen eine Lösung – aber diese Lösung wurde ohne die Betroffenen, die Kinder, gefunden (Figdor 2012; Bliersbach 2022).
Die IPT als wirksame Prävention
Auf eine völlig neue Sichtweise, die der Prävention zukommt, weist González (2026b) hin:
„Die vielleicht wichtigste Konsequenz der vorliegenden Arbeit betrifft daher die Prävention. Wenn Chronifizierung der entscheidende Risikofaktor ist, dann erscheint die frühzeitige Begrenzung von Eskalationsprozessen als die wirksamste Form der Intervention. Prävention bedeutet dabei nicht Konfliktvermeidung. Konflikte gehören zu menschlichen Beziehungen und erfüllen wichtige Funktionen. Entscheidend ist vielmehr, ob Konflikte lösbar bleiben oder ob sie sich zu dauerhaften Organisationsprinzipien familiärer Beziehungen entwickeln. Je früher destruktive Dynamiken erkannt und begrenzt werden können, desto größer erscheinen die Chancen, die Entwicklung chronischer Stress- und Bedrohungsmuster zu verhindern.“
Genau hier setzt die IPT an: als frühzeitige, wirksame Prävention von Trennung und Scheidung im Kontextuellen Metamodell (Kröger & Sanders 2018). Belege für die Wirksamkeit finden sich auf der Seite Wirksamkeit & Forschung.